Krafttraining ab 50+
Warum Krafttraining wichtig ist
Die Bedeutung des Krafttrainings bei Erwachsenen hat in den letzten 15 Jahren stark zugenommen. Lange Zeit wurde klassisches Ausdauertraining mit seinen positiven Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System und die Fettverbrennung als überlegene Trainingsmethode propagiert. Heute weiß man, dass einige Trainingseffekte überbewertet wurden. Auch ein gesundheitsorientiertes und dosiertes Muskelaufbautraining (= Hypertrophietraining) oder ein Kraftausdauertraining haben eine protektive (schützende) Wirkung auf unser Herz-Kreislauf-System. Alle Arten von Krafttraining können Risikofaktoren wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck und Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) deutlich reduzieren. Zudem wird der altersbedingte Um- und Abbau der Muskulatur (Sarkopenie) durch regelmäßiges Krafttraining extrem verlangsamt.
Krafttraining bremst altersbedingten Muskelabbau
Zwischen Anfang und Mitte 30 setzt der Umbau von Muskulatur in Fettgewebe ein. Je nach Lebensweise verlieren wir ab diesem Alter zwischen 0,3 und 1 Prozent Muskulatur pro Jahr. Bereits ab Anfang bis Mitte 50 beschleunigt sich der Prozess, es können 1 bis 2 Prozent Muskelmasse pro Jahr abgebaut werden. Setzen wir dem nichts entgegen, so verlieren wir bis zum 80. Lebensjahr nach und nach bis zu 50 Prozent der Muskelmasse. Die Ursachen sind vielfältig und werden unter anderem durch Änderungen des Stoffwechsels und des Hormonspiegels bedingt. Einen wesentlich stärken Einfluss haben jedoch die Ernährung und die körperliche Aktivität(1). Ein inaktiver Lebensstil und die mit zunehmendem Alter kohlenhydratlastige „Mangelernährung“ fördern den Muskelschwund. Entzündliche Erkrankungen wie Arthrose (Gelenkverschleiß) und Rheuma forcieren ihn zusätzlich.
Ein regelmäßiges Kraft- oder Kraftausdauertraining, kombiniert mit einer nährstoff- und eiweißreichen Ernährung können im Gegenzug den altersbedingten Muskelabbau und gleichzeitigen Fettaufbau verlangsamen und sogar kompensieren. Die Ergebnisse neuerer Studien legen nahe, dass ein angepasstes Krafttraining in jedem Alter zu einer Steigerung der Muskelkraft und Verbesserung der Muskelfunktion (Spannungszustand, Dehn- und Erholungsfähigkeit) führt. Zudem hält das Training Knochen und Gelenke gesund.
Um ältere Menschen an das Training heranzuführen, wird zuerst im Kraftausdauerbereich trainiert. Im späteren Trainingsverlauf wird die Belastung schrittweise (progressiv) erhöht. Sehr gut eigenen sich Fitnessbänder. Die elastischen Widerstandsbänder ermöglichen ein gelenkschonendes Training und können auch bei Vorerkrankungen wie Rheuma, Adipositas oder Bandscheibenproblemen zum Einsatz kommen.
(1) Koopman, R.; van Loon, L. J.: Aging, exercise, and muscle protein metabolism, in: Journal of Applied Physiology 2009 ((https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19131471/))
Muskelabbau erkennen
Lässt die Muskelmasse nach, sinkt die Leistungsfähigkeit des Körpers. Normale Alltagstätigkeiten wie Treppensteigen oder das Tragen von Einkäufen werden schwieriger. Der Muskelschwund wirkt sich zuerst auf konditionelle Fähigkeiten wie Kraft, Ausdauer und Schnelligkeit aus. Nach und nach wird aber auch unsere Beweglichkeit, die Körperstabilität und das Gleichgewichtsvermögen davon beeinträchtigt.
Der Verlust an motorischen Fähigkeiten zeigt sich unter anderem beim Aufstehen aus liegenden und sitzenden Positionen, der mangelnden Koordination von Bewegungen oder durch körperliche Instabilität beim Laufen in unebenem Gelände oder beim Treppensteigen.
Ein weiterer Punkt, der nicht außer Acht gelassen werden sollte: Weniger Muskelmasse bedeutet auch weniger Energieverbrauch und eine verringerte Stoffwechseltätigkeit.
Stark bis ins Alter
Muskeln sind in jedem Alter trainierbar, da sich die Muskelzellen ständig erneuern. Das Training muss jedoch wirksame Reize generieren, damit eine muskuläre Anpassungsreaktion erfolgt. Kommen die Reize regelmäßig, vergrößert sich nach und nach der Muskelquerschnitt, die Muskeln können mehr Kraft erzeugen.
Wie und wo man trainiert, ist Geschmackssache. Eine einfache und ortsunabhängige Möglichkeit bietet das Krafttraining mit dem eigenen Körpergewicht. Für einige Übungen benötigen Sie lediglich eine weiche Unterlage, z. B. eine Gymnastikmatte. Auch ein Training mit Fitnessbändern ist zu empfehlen, da die Bänder für jedes Fitnesslevel geeignet sind und sowohl im Kraft- als auch im Kraftausdauertraining zum Einsatz kommen. Zudem eignen sich die Bänder für ein Ganzkörpertraining oder für das Training bestimmter Muskelgruppen oder Körperbereiche.